Wie gefährlich ist Aluminium?

Wie gefährlich ist Aluminium?

Aluminium ist allgegenwärtig – in Lebensmitteln, Verpackungen, Kosmetik und Medikamenten.

Gleichzeitig mehren sich Warnungen vor möglichen Gesundheitsrisiken:

Aluminium steht im Verdacht, das Nervensystem zu beeinträchtigen, Nieren zu belasten und sich im Körper anzureichern.

Die Frage ist berechtigt:

Wie gefährlich ist Aluminium wirklich?

Dieser Artikel liefert eine wissenschaftlich fundierte Einschätzung der aktuellen Datenlage.

Er zeigt, welche Aluminiumquellen im Alltag relevant sind, wie hoch die tatsächliche Belastung ist – und welche gesundheitlichen Risiken sich daraus ableiten lassen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den offiziellen Bewertungen deutscher und europäischer Behörden.

Ziel ist keine Panikmache, sondern Aufklärung:

Wer die Fakten kennt, kann bewusste Entscheidungen treffen und vermeidbare Belastungen reduzieren.


Aluminium: Eigenschaften und Vorkommen

Aluminium ist das dritthäufigste chemische Element in der Erdkruste.

Es kommt nicht in reiner Form vor, sondern gebunden – meist in Silikaten oder Oxiden. Die industrielle Gewinnung erfolgt aus Bauxit, einem aluminiumreichen Erz.

Aufgrund seiner Vielseitigkeit ist Aluminium heute ein fester Bestandteil zahlreicher Produkte des Alltags:

Es ist leicht, stabil, gut formbar und korrosionsbeständig.

 

Technische Anwendungen

In der Industrie wird Aluminium breit eingesetzt – von der Bauwirtschaft über den Maschinenbau bis zur Luftfahrt.

Auch Verpackungen wie Getränkedosen, Menüschalen und Aluminiumfolie bestehen aus dem Metall, da es als geschmacksneutral und hygienisch gilt.

 

Vorkommen in Lebensmitteln und Konsumprodukten

Weniger bekannt ist: Auch viele Lebensmittel enthalten Aluminium – entweder natürlich, über kontaminierte Böden aufgenommen, oder durch technologische Prozesse eingetragen. Dazu zählen unter anderem:

  • Getreide und Getreideprodukte (z. B. Brot, Backwaren)

  • Tee, Kakao und Schokolade

  • Gemüsearten wie Spinat, Mangold oder Rettich

  • Kräuter, Gewürze und Pilze

Hinzu kommt Aluminium, das über Lebensmittelkontaktmaterialien (z. B. unbeschichtete Menüschalen, Grillschalen, Folien) oder Zusatzstoffe (wie Farbstabilisatoren oder Trennmittel) in die Nahrung gelangt.

Besonders hohe Gehalte finden sich oft in kakaohaltigen Produkten und Kräutermischungen.

Auch Kosmetikprodukte wie Antitranspirantien (Deo), Lippenstifte und Zahnpasten enthalten teils relevante Mengen an Aluminium – meist in Form von Salzen, die als adstringierend oder abrasiv wirken.

Selbst Arzneimittel wie Antazida zur Neutralisation von Magensäure enthalten oft hohe Dosen bioverfügbaren Aluminiums.

 

Aluminium in Impfstoffen

Darüber hinaus wird Aluminium in Form von Aluminiumsalzen als Adjuvans in einigen Impfstoffen verwendet.

Diese Anwendung ist reguliert, betrifft primär die ersten Lebensjahre und stellt im Verhältnis zur möglichen Gesamtbelastung nur einen kleinen, diskontinuierlichen Anteil dar. 

 

Aufnahme, Verteilung und Ausscheidung im menschlichen Körper

Aluminium ist kein essentielles Spurenelement – der menschliche Körper ist auf die Zufuhr nicht angewiesen.

Dennoch nimmt jeder Mensch täglich geringe Mengen über die Umwelt auf. Entscheidend für eine gesundheitliche Bewertung ist daher nicht nur die aufgenommene Menge, sondern auch, wie gut Aluminium resorbiert wird und wie lange es im Körper verbleibt.


Aufnahmewege

Aluminium kann über drei Hauptpfade in den Körper gelangen:

  • oraldurch Lebensmittel, Trinkwasser oder Medikamente (z. B. Antazida)

  • dermalüber die Haut, z. B. bei der Verwendung von aluminiumhaltigen Antitranspirantien oder kosmetischen Produkten

  • parenteralbeispielsweise durch Impfstoffe, die Aluminiumsalze als Adjuvans enthalten

Die orale Aufnahme ist quantitativ am wichtigsten.

Der Großteil des aufgenommenen Aluminiums wird allerdings über den Magen-Darm-Trakt kaum resorbiert.

Laut EFSA liegt die durchschnittliche Absorptionsrate im Darm bei etwa 0,1 % der aufgenommenen Menge.

Das bedeutet: Selbst bei höherer oraler Belastung gelangen nur kleine Mengen tatsächlich in den Blutkreislauf.


Verteilung im Organismus

Das resorbierte Aluminium wird im Blut vor allem an Transferrin gebunden und über den Kreislauf verteilt.

Es lagert sich bevorzugt in bestimmten Geweben ab, darunter:

  • Knochen

  • Lunge

  • Leber

  • Milz

  • Gehirn

Besonders kritisch ist die Anreicherung im Zentralnervensystem, da Aluminium dort eine sehr lange biologische Halbwertszeit hat.

Es gibt Hinweise aus Tier- und Zellstudien, dass Aluminium die Blut-Hirn-Schranke unter bestimmten Bedingungen überwinden kann – z. B. bei Neugeborenen oder bei vorgeschädigten Hirnstrukturen.

 

Ausscheidung und Halbwertszeit

Etwa 80–90 % des resorbierten Aluminiums wird über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden.

Die restliche Menge wird langsam über Galle und Darm ausgeschieden oder verbleibt im Gewebe.

Die biologische Halbwertszeit ist stark vom Speicherort abhängig:

  • Im Blut: wenige Stunden bis Tage

  • In weichem Gewebe: mehrere Wochen

  • In Knochen: Jahre bis Jahrzehnte

Eine Besonderheit: Aluminium kann sich im Körper kumulieren, also anreichern.

Gerade bei chronischer Exposition – etwa durch regelmäßig verwendete aluminiumhaltige Kosmetikprodukte – kann die Gesamtbelastung im Körper im Laufe der Zeit deutlich steigen, auch wenn die tägliche Aufnahme gering erscheint.

 

Gesundheitsrisiken durch Aluminium – Was sagt die Wissenschaft?

Aluminium wird seit Jahrzehnten intensiv toxikologisch untersucht.

Dabei steht vor allem die Frage im Mittelpunkt, ob die chronische Aufnahme – insbesondere über Lebensmittel, Kosmetika und Arzneimittel – gesundheitliche Schäden verursachen kann.

Die wissenschaftliche Bewertung erfolgt auf Basis sogenannter tolerierbarer Aufnahmemengen, experimenteller Daten und epidemiologischer Studien.


Grenzwerte: TWI und PTWI

Zwei international anerkannte Richtwerte dienen der Risikoabschätzung:

  • Die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) hat 2008 einen TWI (Tolerable Weekly Intake)von 1 mg Aluminium pro kg Körpergewicht und Woche abgeleitet. Grundlage war eine Tierstudie zur Entwicklungsneurotoxizität.

  • Die JECFA (gemeinsames Gremium von WHO und FAO) empfahl 2012 einen PTWI (Provisional Tolerable Weekly Intake) von 2 mg/kg KG/Woche. Hier lag der Fokus auf der Vermeidung von Nierenschäden durch Aluminiumkonkremente.

Beide Werte geben an, welche wöchentliche Aufnahmemenge über die gesamte Lebensdauer als gesundheitlich tolerabel gilt – mit zusätzlicher Sicherheitsspanne.


Mögliche gesundheitliche Effekte

Neurologische Effekte

Zahlreiche Studien zeigen, dass Aluminium in hohen Dosen neurotoxisch wirken kann.

Im Tierversuch wurde bei entsprechender Belastung eine Beeinträchtigung der Gedächtnisleistung und der motorischen Funktionen festgestellt.

Auch die Ablagerung von Aluminium im Gehirn steht im Fokus der Forschung.

Ein möglicher Zusammenhang mit neurodegenerativen Erkrankungen, insbesondere Alzheimer, wird kontrovers diskutiert.

Zwar wurde Aluminium in höheren Konzentrationen in betroffenen Hirnregionen gefunden, ein kausaler Zusammenhang konnte jedoch bislang nicht eindeutig belegt werden.

Internationale Fachgremien betonen, dass die derzeitige Datenlage keine abschließende Bewertung dieses Zusammenhangs erlaubt.

 

Nierenschädigung

Die von der JECFA verwendete Referenzstudie zeigte bei Ratten eine Ausbildung von Aluminium-Konkrementen in den ableitenden Harnwegen sowie eine nachfolgende Schädigung der Nieren.

Solche Effekte wurden bei sehr hohen Dosen beobachtet, die weit über der durchschnittlichen menschlichen Aufnahme liegen. Dennoch flossen diese Ergebnisse in die Ableitung des PTWI ein.

 

Knochengesundheit

Aluminium kann mit Calcium konkurrieren und sich in den Knochen einlagern.

Dies ist insbesondere bei eingeschränkter Nierenfunktion relevant, da die Ausscheidung dann vermindert ist.

In Studien mit Dialysepatienten wurden Knochenerkrankungen (Osteomalazie) im Zusammenhang mit Aluminium dokumentiert. Für gesunde Menschen mit normaler Nierenfunktion gilt dieses Risiko jedoch als gering.

 

Fruchtbarkeit und Entwicklung

Einige Tierstudien weisen auf mögliche Beeinträchtigungen der Fortpflanzungsfähigkeit sowie auf verzögerte neurologische Entwicklung bei Nachkommen hin.

Ob sich diese Daten auf den Menschen übertragen lassen, ist allerdings unklar. Die EFSA wählte genau diese Entwicklungseffekte als besonders empfindlichen Endpunkt für ihre Risikoabschätzung.

 

Brustkrebs?

Immer wieder wird diskutiert, ob Aluminium in Deodorants das Brustkrebsrisiko erhöhen könnte.

Bisher gibt es keinen eindeutigen wissenschaftlichen Beleg für diesen Zusammenhang.

Das BfR bewertet die Studienlage hierzu als nicht abschließendein erhöhtes Risiko konnte bislang nicht nachgewiesen, aber auch nicht sicher ausgeschlossen werden.


Anreicherung im Körper

Aluminium wird zwar zu großen Teilen ausgeschieden – ein kleiner Teil verbleibt jedoch dauerhaft im Gewebe.

Besonders das Gehirn, die Knochen und die Lunge sind hier betroffen. Studien zeigen, dass Aluminium eine lange Verweildauer im Organismus aufweist.

Vor diesem Hintergrund ist eine dauerhaft hohe Aufnahme insbesondere bei jungen Menschen, Schwangeren und Personen mit eingeschränkter Nierenfunktion besonders kritisch zu sehen.

 

Wer ist besonders betroffen? – Expositionspfade im Lebensalltag

Nicht alle Menschen sind im gleichen Maße Aluminium ausgesetzt. Die individuelle Belastung hängt vom Alter, vom Konsumverhalten und von der Verwendung bestimmter Produkte ab.

Besonders relevant sind in der Risikobewertung sogenannte „Hochverzehrerund Personen, die regelmäßig Produkte mit hohem Aluminiumgehalt verwenden.

Die folgenden Gruppen stehen im Fokus der wissenschaftlichen Bewertung:

 

Säuglinge und Kleinkinder

Diese Altersgruppe zeigt laut BfR eine besonders hohe Exposition gegenüber Aluminium. Grund dafür sind:

  • die hohe Nahrungsaufnahme pro Kilogramm Körpergewicht

  • der mögliche Aluminiumgehalt in Säuglingsnahrung, insbesondere bei Spezialprodukten (Soja-basiert, lactosefrei, hypoallergen)

  • die noch unvollständig entwickelte Nierenfunktion, wodurch Aluminium langsamer ausgeschieden wird

  • zusätzliche Aufnahme durch Impfstoffe mit Aluminium-Adjuvanzien im ersten Lebensjahr

Laut BfR kann bei nicht gestillten Säuglingen der von der EFSA empfohlene TWI deutlich überschritten werden – besonders bei Kombination mehrerer Quellen wie industriell hergestellter Säuglingsnahrung und aluminiumhaltiger Kochutensilien. Gestillte Säuglinge zeigen dagegen die niedrigste Exposition.

 

Kinder und Jugendliche

In der Altersgruppe von 3 bis 14 Jahren kommt es zunehmend zu einer Exposition über kosmetische Produkte, insbesondere:

  • aluminiumhaltige Zahnpasten (mit Aluminiumoxid oder -hydroxid als Abrasiv)

  • Antitranspirantien (Deo)

  • Lippenstifte oder -pflegestifte (statistisch insbesondere bei Mädchen)

In der vom BfR betrachteten hochexponierten Gruppe (Vielverzehr, Kosmetikanwendung, Kontakt mit unbeschichteten Kochutensilien) wird der TWI teils um das Vier- bis Fünffache überschritten.

Der PTWI der JECFA wird ebenfalls überschritten – insbesondere bei gleichzeitiger Anwendung mehrerer belasteter Produkte.

Die Anreicherung von Aluminium im Körper bei Jugendlichen ist besonders kritisch, da der Organismus sich noch in der Entwicklung befindet und Aluminium eine lange biologische Halbwertszeit aufweist.


Erwachsene

Die allgemeine Bevölkerung nimmt laut BfR den TWI in der Regel nicht durch Lebensmittel allein auf.

Kritisch wird die Gesamtexposition dann, wenn weitere Quellen hinzukommen:

  • regelmäßiger Gebrauch aluminiumhaltiger Antitranspirantien (Deo)

  • Verwendung von unbeschichtetem Aluminiumgeschirr

  • Kosmetika mit Aluminium

  • gelegentlich auch Arzneimittel wie Antazida, die hohe Mengen Aluminium enthalten können

In der hochexponierten Gruppe ist laut BfR sowohl der TWI als auch der PTWI überschritten.

Besonders betroffen sind häufig Frauen mit intensiver Kosmetikanwendung. Auch Schwangere sollten vorsichtig sein: Aluminium kann die Plazenta passieren und das ungeborene Kind erreichen.


Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion

Die Nieren sind der wichtigste Ausscheidungsweg für resorbiertes Aluminium. Personen mit chronischer Nierenschwäche, Dialysepatienten oder ältere Menschen mit reduzierter Nierenleistung weisen eine deutlich geringere Eliminationsrate auf.

Hier kann sich Aluminium besonders stark im Gewebe anreichern – mit möglichen Konsequenzen für Knochen, Nervensystem und Organe.

Auch die Kombination mit aluminiumhaltigen Medikamenten (z. B. Antazida) kann problematisch sein.


Personen mit hoher Produktbindung oder spezieller Ernährung

Besonders markentreue Verbraucher – etwa bei Schokolade, Tee oder bestimmten Lippenpflegestiften – können kontinuierlich einer deutlich höheren Aluminiumzufuhr ausgesetzt sein als der Durchschnitt.

Auch Menschen, die regelmäßig Fertiggerichte konsumieren, die in Aluminiumfolie oder Aluminumschalen erhitzt oder gelagert werden, können zu den Hochexponierten zählen.

Hier summieren sich scheinbar kleine Einträge zu einer relevanten chronischen Belastung.

 

Aluminium in Deodorants und Antitranspirantien

Warum Aluminium in Deos verwendet wird

Aluminiumhaltige Antitranspirantien enthalten meist Aluminiumsalze wie Aluminiumchlorhydrat, die die Schweißdrüsen temporär verschließen.

Das Ziel ist nicht nur die Geruchskontrolle, sondern vor allem die Schweißreduktion.

Klassische Deodorants hingegen wirken meist ohne Aluminium – durch antibakterielle oder parfümierende Inhaltsstoffe.

 

Aufnahme über die Haut: Was sagt die Forschung?

Studien zeigen, dass Aluminium über die intakte Haut nur in sehr geringen Mengen aufgenommen wird.

Die vom BfR herangezogene Humanstudie von Flarend et al. (2001) beziffert die Resorptionsrate auf etwa 0,014 %.

Neuere Daten (z. B. de Ligt et al., 2018) weisen auf methodische Schwächen hin, sodass sie bisher nicht in die Expositionsschätzung einfließen.

 

Kritische Punkte: Rasur und geschädigte Haut

Das BfR weist ausdrücklich darauf hin, dass die Aluminiumaufnahme über verletzte oder rasierte Haut deutlich erhöht sein könnte.

Dies betrifft insbesondere Personen, die sich regelmäßig unter den Achseln rasieren und anschließend aluminiumhaltige Produkte verwenden.

 

Gesundheitsbewertung 

Bei täglicher Anwendung aluminiumhaltiger Antitranspirantien kann unter bestimmten Umständen wie empfindlicher oder verletzter Haut die Aufnahme von Aluminium über die Haut erhöht sein.

Der sparsame Einsatz ist hier besonders sinnvoll.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte auf aluminiumfreie Deos zurückgreifen – vor allem in sensiblen Lebensphasen wie der Pubertät, bei Kinderwunsch oder Schwangerschaft sowie bei dauerhaften Einsatz.

 

Reduktionsstrategien – Wie sich die Aluminiumaufnahme im Alltag senken lässt

Auch wenn Aluminium in unserer Umwelt weit verbreitet ist – viele relevante Eintragspfade lassen sich gezielt reduzieren oder vermeiden.

Wer sich der Hauptquellen bewusst ist, kann seine persönliche Exposition im Alltag spürbar senken – ohne auf Lebensqualität verzichten zu müssen.


In der Küche

Unbeschichtetes Aluminiumgeschirr wie Töpfe, Pfannen, Menüschalen oder Grillschalen kann bei Kontakt mit säure- oder salzhaltigen Lebensmitteln erhebliche Mengen Aluminium freisetzen.

Besonders kritisch sind Tomatensaucen, Zitronensaft, marinierte Speisen oder Salzlaken.

Empfehlungen:

  • Vermeide unbeschichtetes Aluminium bei Kochen, Backen oder Warmhalten.

  • Verwende statt Alufolie Backpapier, Glas- oder Keramikbehälter.

  • Lagere säurehaltige Speisen nicht in Aluminiumfolie oder -schalen.


Bei Lebensmitteln

Aluminium kann natürlicherweise in pflanzlichen Lebensmitteln vorkommen – besonders in:

  • Tee

  • Kakao und Schokolade

  • Pilzen

  • Spinat und Mangold

  • Kräutern und Gewürzen

Was tun?

  • Wechsle zwischen verschiedenen Lebensmittelgruppen, um einseitige Belastung zu vermeiden.

  • Bevorzuge frische, unverarbeitete Lebensmittel. Fertigprodukte und Instantpulver können Aluminiumzusätze enthalten.

  • Achte bei Nahrungsergänzungsmitteln auf Kennzeichnung aluminiumhaltiger Zusatzstoffe wie E 554 oder E 1452.


Bei Kosmetikprodukten

Kosmetika gehören zu den Hauptquellen für eine erhöhte Aufnahme – vor allem durch Antitranspirantien (nicht zu verwechseln mit Deos) sowie bestimmte Zahnpasten und Lippenpflegeprodukte.

Empfehlungen:

  • Wähle deutlich gekennzeichnete aluminiumfreie Alternativen, insbesondere bei Antitranspirantien.

  • Verzichte nach Rasur oder Sonnenbrand auf die Anwendung aluminiumhaltiger Produkte – hier ist die Aufnahme über die Haut erhöht.

  • Prüfe die Inhaltsstoffe von Zahnpastabesonders bei Produkten mit starker Polierwirkung.


Bei Arzneimitteln

Einige rezeptfreie Magenmittel (Antazida) enthalten aluminiumbasierte Wirkstoffe. Diese können die Aluminiumaufnahme deutlich erhöhen – vor allem bei regelmäßiger Anwendung.

Tipp:

  • Besprich bei langfristiger Einnahme von Antazida mögliche Alternativen mit dem behandelnden Arzt oder Apotheker.

  • Lies die Packungsbeilage sorgfältig und achte auf Aluminiumverbindungen wie Aluminiumhydroxid oder Aluminiumphosphat.


Für Eltern und Bezugspersonen

Kleinkinder und Säuglinge sind besonders sensibel – gerade in den ersten Lebensmonaten.

Bei ihnen ist eine vorsorgliche Reduktion besonders wichtig.

Empfehlungen:

  • Verwende möglichst lang Muttermilch, wenn möglich.

  • Achte bei industriell hergestellter Säuglingsnahrung auf die Produktauswahl.

  • Nutze für Zubereitung und Lagerung von Babynahrung keine Aluminiumgefäße.

  • Verwende milde, aluminiumfreie Pflegeprodukte für Kinderhaut.


Magnesium als Antagonist zu Aluminium: Erkenntnisse aus Pflanzen und Zellforschung

Pflanzenphysiologie als Modell

In der Botanik ist die antagonistische Beziehung zwischen Aluminium und Magnesium gut dokumentiert:

Aluminium hemmt unter anderem die Wurzelentwicklung und Nährstoffaufnahme, während eine ausreichende Magnesiumversorgung diese toxischen Effekte abpuffern kann.

Studien zeigen, dass Aluminium die Magnesiumaufnahme an der Wurzeloberfläche blockiert – ein Mechanismus, der durch magnesiumreiche Böden oder Düngung abgeschwächt werden kann.

Auch in der Humanbiologie gibt es Hinweise auf Wechselwirkungen, insbesondere bei Enzymen, die Magnesium als Kofaktor benötigen.

 

Forschungslage und offene Fragen

Während die tierexperimentellen und zellbiologischen Daten vielversprechend sind, fehlen bislang groß angelegte klinische Studien, die diesen Zusammenhang beim Menschen systematisch untersuchen.

 

 

Fazit und Empfehlungen – Wie lässt sich das Risiko realistisch einordnen?

Aluminium ist ein allgegenwärtiger Bestandteil unserer Umwelt – und ein Element mit zwei Gesichtern:

Einerseits technisch und wirtschaftlich nützlich, andererseits toxikologisch relevant bei chronisch erhöhter Aufnahme.

Die Bewertung der Gesundheitsgefahren hängt stark von Dosis, Expositionsweg und individueller Empfindlichkeit ab.


Aluminium ist kein akutes Gift – aber kritisch bei chronischer Belastung

Aktuelle Daten zeigen: Eine kurzfristige Aufnahme geringerer Mengen ist für gesunde Erwachsene nicht bedenklich.

Problematisch wird Aluminium vor allem dann, wenn es über Jahre hinweg in erhöhten Mengen aufgenommen wird – etwa über:

  • regelmäßigen Konsum belasteter Lebensmittel

  • Kosmetikprodukte mit hoher Aluminiumkonzentration

  • Gebrauch unbeschichteter Aluminium-Kochutensilien

  • oder die Kombination mehrerer Quellen

Besonders Säuglinge, Kinder, Jugendliche, Schwangere und Menschen mit Nierenfunktionsstörungen sind empfindlicher.

Hier kann es zur Überschreitung tolerierbarer Aufnahmemengen kommen, was langfristig mit neurologischen oder renalen Risiken einhergehen kann.


Die Studienlage ist nicht widerspruchsfrei – aber risikoorientiert interpretierbar

Ob Aluminium eine kausale Rolle bei Alzheimer oder Brustkrebs spielt, ist derzeit wissenschaftlich nicht belegt.

Auch wenn einzelne Studien Assoziationen nahelegen, fehlt der Nachweis für eine eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehung.

Dennoch zeigen toxikologische Studien bei Mensch und Tier klar nachweisbare Effekte auf das Nervensystem, die Nieren und die Fortpflanzung – bei entsprechend hoher Exposition.


Risikoreduktion ist machbar – und sinnvoll

Die gute Nachricht:

Ein Großteil der relevanten Aluminiumquellen lässt sich im Alltag vermeiden, ohne spürbare Einschränkungen.

Wer bewusst auswählt und einfache Regeln befolgt, kann seine persönliche Aufnahme auf ein Minimum begrenzen.

In den meisten Fällen genügt ein moderater, informierter Umgangkein vollständiger Verzicht.

Empfehlungen im Überblick:

  • Verwende keine unbeschichteten Aluminiumprodukte in der Küche für salz- oder säurehaltige Speisen.

  • Greife bei Antitranspirantien, Zahnpasta und Lippenpflege zu aluminiumfreien Alternativen.

  • Achte bei Babynahrung und -zubereitung auf aluminiumarme Produkte und Behältnisse.

  • Prüfe Arzneimittel auf aluminiumhaltige Wirkstoffe, insbesondere bei längerer Einnahme.

  • Vermeide häufige Kombination mehrerer aluminiumreicher Produkte im Alltag.


Gesundheitsbewusstsein statt Alarmismus

Die wissenschaftliche Bewertung von Aluminium erfordert Differenzierung.

Nicht jede Aufnahme ist riskant – aber jede unnötige, chronisch erhöhte Zufuhr ist vermeidbar und aus präventivmedizinischer Sicht kritisch zu hinterfragen.

Wer bewusst konsumiert und einfache Strategien zur Reduktion umsetzt, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch Familie, Freunden und Mitmenschen.

 

Quellenangabe

Dieser Artikel stützt sich insbesondere auf folgende offizielle und wissenschaftlich fundierte Quellen:

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Stellungnahme Nr. 030/2020, „Aluminium in Antitranspirantien – gesundheitliche Risiken durch erhöhte Aluminiumaufnahme“, 20. Juli 2020.

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Stellungnahme Nr. 045/2019, „Gesamtbewertung zur Aluminiumaufnahme über verschiedene Quellen“, 14. Oktober 2019.

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): FAQ zu Aluminium in Antitranspirantien – Aktualisierte Risikobewertung, 2023.

EFSA (European Food Safety Authority): Scientific Opinion of the Panel on Food Additives, Flavourings, Processing Aids and Materials in Contact with Food (AFC) – Safety of aluminium from dietary intake. EFSA Journal (2008), 754, 1–34.

JECFA (Joint FAO/WHO Expert Committee on Food Additives): Summary and conclusions of the 74th meeting (2011) – Evaluation of certain food additives and contaminants. WHO Technical Report Series 960, 2012.

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Miu, A. C., Benga, O.: Aluminum and Alzheimer’s disease: A new look, Journal of Alzheimer’s Disease, 2006, 10(2–3), S. 179–201.

Frisardi, V. et al.: Aluminium in the Diet, Cognitive Decline and Dementia, in: Preedy, V. R. et al. (Hrsg.): Handbook of Behavior, Food and Nutrition, Springer, New York, 2011, S. 2285–2306.

Haug, A.: Molecular aspects of aluminum toxicity, Critical Reviews in Plant Sciences, 1984, 1(4), S. 345–373.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen bitte ärztlichen Rat einholen.

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