Welchen Wasserfilter empfehle ich? Aktivkohle oder Umkehrosmose

Welchen Wasserfilter empfehle ich? Aktivkohle oder Umkehrosmose

Ask the Coach #74

Frage: Hallo Wolfgang, du hast im Modul 4 Seminar vor ein paar Jahren darüber gesprochen, welche Wasserfilter du sinnvoll findest und wann du eher einen Aktivkohlefilter beziehungsweise eine Umkehrosmoseanlage empfehlen würdest. Ich bekomme die Unterschiede leider nicht mehr ganz zusammen. Könntest du das noch einmal etwas ausführlicher erklären, auch mit den jeweiligen Vorteilen und Nachteilen und worauf du beim Kauf achten würdest? Gerne auch mal im Podcast. Vielen Dank und viele Grüße

Antwort: Beim Thema Wasserfilter gibt es aus meiner Sicht zwei Fehler, die häufig gemacht werden.

Der eine ist, deutsches Leitungswasser grundsätzlich schlechtzureden und aus jeder theoretisch nachweisbaren Verunreinigung unmittelbar ein gesundheitliches Problem zu machen.

Der andere ist das genaue Gegenteil: Weil unser Trinkwasser in Deutschland sehr gut kontrolliert wird, wird daraus abgeleitet, dass eine zusätzliche Filtration grundsätzlich keinen Sinn ergeben kann.

Ich halte beide Positionen für zu einfach.

Bei uns im YPSI nutzen wir tatsächlich beide Varianten. In der Küche haben wir eine fest installierte Umkehrosmoseanlage unter der Spüle mit einem separaten Wasserhahn. Gleichzeitig haben wir auch eine klassische Filterkanne mit Aktivkohlefilter im Einsatz.

Ich kenne deshalb beide Lösungen aus dem Alltag und aus meiner Sicht haben auch beide ihre Berechtigung. Welche Variante sinnvoller ist, hängt vor allem davon ab, was man filtern möchte und wie viel Aufwand man dafür betreiben will.

 

Brauche ich in Deutschland überhaupt einen Wasserfilter?

Wenn die Frage lautet, ob ein gesunder Mensch in einem durchschnittlichen deutschen Haushalt zwingend einen Wasserfilter benötigt, um Leitungswasser trinken zu können, lautet die Antwort in den meisten Fällen: nein.

Die Trinkwasserqualität in Deutschland ist sehr hoch. Im jüngsten Bericht von Bundesgesundheitsministerium und Umweltbundesamt wurden bei den meisten mikrobiologischen und chemischen Qualitätsparametern die Anforderungen in mehr als 99 Prozent der Untersuchungen eingehalten.

Für mich beantwortet das aber noch nicht die eigentlich interessantere Frage:

Kann es trotzdem sinnvoll sein, mein Trinkwasser zusätzlich zu filtern?

Und darauf lautet meine Antwort eindeutig: ja.

Es besteht ein Unterschied zwischen gesundheitlich notwendig und sinnvoll.

Wenn ich mit einem überschaubaren finanziellen und praktischen Aufwand bestimmte unerwünschte Stoffe zusätzlich reduzieren kann, muss ungefiltertes Leitungswasser nicht erst nachweislich gesundheitsschädlich sein, damit diese Maßnahme für mich sinnvoll wird.

Es ist letztlich eine einfache Abwägung zwischen Aufwand, möglichen Vorteilen und möglichen Nachteilen.

 

Was kommt tatsächlich aus meinem Wasserhahn?

An dieser Stelle ist eine Differenzierung wichtig.

Es wird manchmal behauptet, Trinkwasser werde nur beim Wasserversorger kontrolliert und niemand wisse, was beim Verbraucher ankommt. Das stimmt so nicht. Die Trinkwasserverordnung schreibt vor, dass die Anforderungen grundsätzlich auch an der relevanten Entnahmestelle eingehalten werden müssen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass das Wasser an jedem privaten Küchenhahn regelmäßig analysiert wird.

Zwischen Wasserwerk und Trinkglas liegen das öffentliche Leitungsnetz und anschließend die individuelle Trinkwasserinstallation des jeweiligen Gebäudes. Dort kommen Leitungen, Dichtungen, Armaturen, unterschiedliche Materialien, mögliche Stagnationszeiten und die konkrete Nutzung des Systems ins Spiel.

Das Umweltbundesamt weist ausdrücklich darauf hin, dass sowohl metallische als auch organische Materialien im Kontakt mit Trinkwasser dessen Qualität beeinflussen können. Unter bestimmten Bedingungen können sich Stoffe aus Materialien lösen, gleichzeitig können organische Materialien beziehungsweise ungünstige Bedingungen mikrobielles Wachstum begünstigen.

Das bedeutet nicht, dass die durchschnittliche Hausinstallation problematisch ist.

Es bedeutet lediglich: Die Wasserqualität des Versorgers und eine individuelle Analyse meines Wassers am Küchenhahn sind nicht exakt dasselbe.

Und genau das ist für mich eines der Argumente für eine zusätzliche Filtration.

 

Was ist mit Blei, anderen Metallen und Biofilmen?

Bleileitungen sind heute zum Glück ein wesentlich kleineres Thema als früher. Sie wurden vor allem in älteren Gebäuden eingesetzt. Seit Januar 2026 müssen Trinkwasserleitungen und auch Teilstücke aus Blei grundsätzlich entfernt oder stillgelegt sein. Das Umweltbundesamt weist allerdings darauf hin, dass trotzdem noch in einzelnen Altbauten Bleileitungen vorhanden sein können.

Blei ist außerdem nicht das einzige Materialthema. Je nach Installation können beispielsweise auch Kupfer oder Nickel relevant sein, die Trinkwasserverordnung sieht für Untersuchungen in Trinkwasserinstallationen ausdrücklich entsprechende Vorgaben vor.

Ähnliches gilt für Biofilme.

Dabei würde ich nicht speziell von „Biofilm in Kunststoffrohren“ sprechen. Biofilme können grundsätzlich auf wasserberührten Oberflächen entstehen. Einfluss haben unter anderem Material, Temperatur, Nährstoffangebot, Stagnation und Betrieb der Installation.

Auch das bedeutet wiederum nicht, dass Leitungswasser deshalb grundsätzlich mikrobiologisch problematisch wäre. Trinkwasser ist ohnehin nicht steril und muss es auch nicht sein.

Entscheidend ist, welche Mikroorganismen in welcher Konzentration vorkommen.

 

Und Legionellen?

Legionellen sind ein gutes Beispiel dafür, warum man verschiedene Probleme nicht miteinander vermischen sollte.

Sie können sich vor allem in der Warmwasserinstallation eines Gebäudes vermehren. Das gesundheitliche Problem entsteht primär durch das Einatmen legionellenhaltiger Aerosole, beispielsweise beim Duschen.

Ein Wasserfilter unter der Küchenspüle löst deshalb kein Legionellenproblem im Warmwassersystem.

Ein Wasserfilter ersetzt allerdings niemals eine technisch und hygienisch einwandfreie Trinkwasserinstallation.

 

Welche Wasserfilter sind für den normalen Haushalt relevant?

Für Trinkwasser im Privathaushalt sind für mich vor allem zwei Varianten interessant:

Aktivkohlefilter und Umkehrosmoseanlagen.

Daneben gibt es weitere Systeme wie Sedimentfilter, Ionenaustauscher, Enthärtungsanlagen, Ultrafiltration, UV Systeme und Destillation. Diese haben jeweils ihre Berechtigung, lösen aber teilweise ganz andere Probleme.

Ein Sedimentfilter entfernt beispielsweise Partikel. Eine Enthärtungsanlage reduziert Wasserhärte. UV Technik dient primär der mikrobiologischen Behandlung. Das sind also nicht einfach fünf verschiedene Varianten desselben Wasserfilters.

Für die Frage „Wie filtere ich mein Trinkwasser in der Küche zusätzlich?“ sind Aktivkohle und Umkehrosmose für mich die beiden relevantesten Systeme.

 

1. Aktivkohlefilter

Aktivkohle ist die einfachste Variante.

Die große Oberfläche der Aktivkohle bindet bestimmte Stoffe durch Adsorption. Aktivkohle wird unter anderem eingesetzt, um Chlor sowie geruchs- und geschmacksbeeinflussende Stoffe und verschiedene organische Verbindungen zu reduzieren. Abhängig vom konkreten Filter und dessen geprüfter Leistung können auch bestimmte Pestizide, PFAS, flüchtige organische Verbindungen oder einzelne Metalle reduziert werden.

Der entscheidende Zusatz lautet allerdings immer:

abhängig vom konkreten Filter.

Enthält Aktivkohle“ bedeutet nicht automatisch, dass ein Produkt jeden Stoff zuverlässig entfernt, der irgendwo auf einer Marketingliste auftaucht.

Bei klassischen Filterkannen werden Aktivkohle und Ionenaustauscher häufig miteinander kombiniert. Dadurch kann das System zusätzlich beispielsweise Wasserhärte beziehungsweise bestimmte Metallionen beeinflussen.

Was Aktivkohle gut kann

Je nach Filter kann Aktivkohle insbesondere reduzieren:

• Chlor sowie störenden Geruch und Geschmack

• verschiedene organische Verbindungen

• bestimmte Pestizide und Mikroschadstoffe

• je nach dafür geprüfter Kartusche bestimmte PFAS

• je nach System einzelne Schwermetalle

Aktivkohle ist dagegen nicht die richtige Technik, wenn ich möglichst umfassend gelöste Salze und Mineralstoffe, Nitrat oder die Wasserhärte entfernen möchte.

Genau hier liegt der wesentliche Unterschied zur Umkehrosmose.


Der größte Vorteil von Aktivkohle: Einfachheit

Der Vorteil eines Aktivkohlefilters ist für mich vor allem praktisch.

Eine einfache Filterkanne kostet nur einen niedrigen zweistelligen Betrag. Sie benötigt keinen Installateur, keinen Wasseranschluss, keinen zusätzlichen Wasserhahn und kein Loch in der Arbeitsplatte. Selbst bei einem Umzug nehme ich sie einfach mit.

Aktuelle Filterkannen etablierter Hersteller sind bereits deutlich unter 50 Euro erhältlich.

Gerade in einer Mietwohnung oder wenn jemand überhaupt erst anfangen möchte, sein Trinkwasser zu filtern, ist die Einstiegshürde damit extrem niedrig.

Und das ist ein Punkt, den ich nicht unterschätzen würde.

Die theoretisch beste Lösung bringt wenig, wenn sie so kompliziert oder teuer ist, dass man sie am Ende nicht verwendet.

 

Der häufigste Kritikpunkt: Verkeimung des Filters

Aktivkohlefilter werden häufig dafür kritisiert, dass sich in ihnen Mikroorganismen vermehren können.

Das ist grundsätzlich ein relevanter Kritikpunkt. Aktivkohle bietet eine große Oberfläche, Stoffe sammeln sich im Filter und stehendes Wasser ist grundsätzlich ungünstiger als regelmäßig ausgetauschtes Wasser.

Daraus folgt für mich aber nicht, dass Aktivkohlefilter grundsätzlich hygienisch problematisch sind.

Es folgt daraus, dass man sie korrekt betreiben muss.

Bei einer Filterkanne würde ich drei Dinge beachten:

1. den Filter regelmäßig verwenden und unnötig lange Stagnationszeiten vermeiden,

2. den Behälter regelmäßig reinigen,

3. die vom Hersteller vorgegebenen Wechselintervalle konsequent einhalten.

Vier Wochen, die häufig genannt werden, sind dabei keine allgemeingültige Lebensdauer für Aktivkohle. Bei aktuellen BRITA Kartuschen sind beispielsweise maximal vier Wochen beziehungsweise eine bestimmte Filterkapazität vorgesehen. Andere Aktivkohlesysteme, insbesondere Untertischsysteme, können völlig andere Wechselintervalle haben.

Deshalb: Herstellerangabe beachten.

 

2. Umkehrosmose

Wenn ich eine wesentlich umfassendere Filtration möchte, ist Umkehrosmose die technisch interessantere Lösung.

Dabei wird Wasser unter Druck durch eine semipermeable Membran geleitet. Ein Teil passiert die Membran als gefiltertes Wasser, während ein zweiter Wasserstrom einen großen Teil der zurückgehaltenen Stoffe als Konzentrat abführt.

Umkehrosmose kann eine sehr breite Palette gelöster Stoffe reduzieren. Dazu gehören viele anorganische Stoffe und Salze sowie zahlreiche organische Verbindungen. Je nach Anlage und entsprechender Prüfung können beispielsweise Nitrat, Arsen, Blei, PFAS und andere Stoffe deutlich reduziert werden.

Das ist der wesentliche Vorteil gegenüber einem reinen Aktivkohlefilter.

Typischerweise reduziert Umkehrosmose unter anderem:

• gelöste Salze und einen großen Teil der Mineralstoffe

• Wasserhärte

• Nitrat

• zahlreiche Metalle

• Arsen

• viele organische Verbindungen

• verschiedene PFAS

• viele weitere gelöste Stoffe

Hier ist jedoch entscheidend, dass die folgende Aussage, die man oft hört, nicht haltbar ist:

„Umkehrosmose entfernt alles.“

Das ist Wasserfilter-Marketing und keine präzise Aussage.

Die tatsächliche Rückhalterate hängt vom Stoff, der Membran, dem Wasserdruck, der Temperatur, dem Zustand der Anlage und weiteren Faktoren ab.

Viele moderne Osmoseanlagen kombinieren deshalb mehrere Verfahren und enthalten zusätzlich Sediment- und Aktivkohlefilter vor oder nach der Osmosemembran.

 

Entfernt Umkehrosmose nicht auch Mineralstoffe?

Ja.

Das ist kein Geheimnis und im Grunde gerade ein Teil dessen, was die Technik macht. Calcium, Magnesium und andere gelöste Mineralstoffe werden ebenfalls deutlich reduziert.

Ich halte daraus konstruierte Geschichten über „totes Wasser“ oder ähnliche Begriffe allerdings für wenig hilfreich.

Man muss lediglich wissen: Osmosewasser enthält wesentlich weniger gelöste Mineralstoffe als das ursprüngliche Leitungswasser. Wer das geschmacklich nicht möchte, kann ein System mit anschließender Remineralisierung wählen.

Für die Versorgung mit Mineralstoffen würde ich grundsätzlich die gesamte Ernährung betrachten und nicht die Entscheidung für oder gegen einen Wasserfilter daran aufhängen.

 

Die Nachteile von Umkehrosmose

Mehr Filterleistung bedeutet gleichzeitig mehr Aufwand.

Eine fest eingebaute Osmoseanlage benötigt einen Wasseranschluss und einen Ablauf für das Konzentrat. Häufig wird ein separater Trinkwasserhahn eingebaut oder der bestehende Wasserhahn gegen eine entsprechende Mehrwegearmatur getauscht.

Bei einem zusätzlichen Hahn kann außerdem eine weitere Bohrung in Spüle oder Arbeitsplatte notwendig werden.

In einem eigenen Haus oder einer eigenen Wohnung ist das meist kein großes Problem. In einer Mietwohnung kann es anders aussehen.

Es gibt deshalb mittlerweile auch Auftisch-Osmoseanlagen. Diese benötigen keinen festen Einbau, dafür aber Platz auf der Arbeitsfläche und müssen je nach Konstruktion manuell befüllt und entleert werden.

Preislich liegt die Umkehrosmose deutlich über einer Filterkanne. Einfache Systeme bewegen sich im Bereich von mehreren hundert Euro, während leistungsfähigere oder komfortablere Anlagen auch deutlich darüber liegen können. Aktuelle Unter- und Auftischsysteme zeigen diese Größenordnung gut.

Hinzu kommen Filter- und Membranwechsel.

 

Aktivkohle oder Umkehrosmose – was empfehle ich?

Für mich gibt es keinen pauschalen Sieger.

Es hängt davon ab, was ich erreichen möchte.

 

Ich würde eher Aktivkohle wählen, wenn …

… ich mit minimalem Aufwand eine zusätzliche Filterstufe möchte.

Wenn es vor allem um Geschmack, Chlor und verschiedene organische Stoffe geht, ich in einer Mietwohnung wohne oder ohne Installation beginnen möchte, halte ich einen guten Aktivkohlefilter für eine sehr einfache und rationale Lösung.

Die Einstiegskosten sind gering und der Aufwand beschränkt sich im Wesentlichen auf Reinigung und regelmäßigen Filterwechsel.

 

Ich würde eher Umkehrosmose wählen, wenn …

… ich möglichst viele gelöste Stoffe reduzieren möchte und bereit bin, dafür etwas mehr Geld und Aufwand zu investieren.

Gerade bei einer dauerhaft genutzten Küche, insbesondere im eigenen Haus, finde ich eine fest installierte Umkehrosmoseanlage deshalb interessant.

Sie bietet technisch eine wesentlich umfassendere Reduktion gelöster Stoffe als ein Aktivkohlefilter.

 

Und wann würde ich gar keinen Filter verwenden?

Auch das kann eine rationale Entscheidung sein.

Wenn ich meine konkrete Wasserqualität kenne, mit Geschmack und Wasserhärte zufrieden bin, die Hausinstallation unauffällig ist und ich keinen zusätzlichen Filter möchte, muss ich kein Problem erfinden, das nicht vorhanden ist.

Ich sehe einen Wasserfilter nicht als Pflicht, auch wenn ich selbst überall einen verwende und ihn bei entsprechenden Rückfragen in Seminaren oder von Kunden sehr gerne empfehle.

Ich sehe ihn als vergleichsweise einfache Möglichkeit, die Exposition gegenüber bestimmten unerwünschten Stoffen zusätzlich zu reduzieren.

Das ist ein Unterschied.

 

Worauf würde ich beim Kauf achten?

Gerade beim Thema Wasserfilter wird erstaunlich viel über Geschichten verkauft.

Begriffe wie „reines Wasser“, „Vitalisierung“, „Energetisierung“, „hexagonales Wasser“ oder andere besondere Wassereigenschaften können beeindruckend klingen. Für meine Kaufentscheidung sind sie weitgehend irrelevant, solange nicht klar ist, was das Gerät technisch tatsächlich macht.

Mich interessieren wesentlich nüchternere Fragen:

Welche Stoffe werden reduziert? Um wie viel? Unter welchen Testbedingungen? Wie lange hält der Filter? Was kostet der regelmäßige Wechsel? Wie hoch ist bei Osmoseanlagen der Wasserverbrauch? Und wurden die Aussagen unabhängig geprüft?

International sind beispielsweise die NSF/ANSI-Standards eine nützliche Orientierung. NSF/ANSI 42 betrifft unter anderem ästhetische Parameter wie Chlor, Geschmack und Geruch. NSF/ANSI 53 umfasst konkrete Reduktionsansprüche für Stoffe mit gesundheitlicher Relevanz. NSF/ANSI 58 ist der zentrale Standard für Umkehrosmosesysteme.

Wichtig ist dabei:

Eine Zertifizierung bedeutet nicht automatisch, dass ein Filter „alles herausfiltert“.

Man muss sich ansehen, für welche konkrete Reduktionsleistung das jeweilige Produkt tatsächlich geprüft wurde.

Dasselbe gilt für TDS-Messgeräte, die häufig bei Osmoseanlagen eingesetzt werden.

Ein niedriger TDS-Wert – wir haben dafür auch ein Messgerät im YPSI – zeigt sehr gut, dass die Konzentration gelöster Ionen stark gesunken ist.

Auch hier gilt: messen, was tatsächlich gemessen wird und nicht mehr hineininterpretieren.

 

Mein Fazit

Unser Trinkwasser in Deutschland hat grundsätzlich eine sehr hohe Qualität. Ich halte es deshalb für falsch, Menschen Angst vor normalem Leitungswasser zu machen.

Ich halte den umgekehrten Schluss aber genauso wenig für überzeugend:

Nur weil etwas bereits gut ist, kann eine zusätzliche Verbesserung trotzdem sinnvoll sein.

Zwischen Wasserwerk und meinem Glas liegen ein Leitungsnetz, eine individuelle Gebäudeinstallation, Leitungen und Armaturen. Gleichzeitig gibt es heute technisch einfache Möglichkeiten, bestimmte unerwünschte Stoffe zusätzlich zu reduzieren.

Für mich ist deshalb weniger die Frage entscheidend:

„Brauche ich zwingend einen Wasserfilter?“

Sondern:

„Welchen zusätzlichen Nutzen bekomme ich für welchen Aufwand?“

Wenn ich für einen niedrigen zweistelligen Betrag mit einem ordentlich betriebenen Aktivkohlefilter bereits bestimmte Stoffe zusätzlich reduzieren kann, finde ich das in vielen Situationen sinnvoll.

Wenn ich eine deutlich umfassendere Filtration möchte und die höheren Kosten, den Platzbedarf und die Installation akzeptiere, ist Umkehrosmose für mich die konsequentere technische Lösung.

Und je teurer ein System wird, desto kritischer würde ich hinterfragen, welchen messbaren zusätzlichen Nutzen ich tatsächlich kaufe.

Denn der beste Wasserfilter ist nicht der mit der längsten Geschichte und auch nicht automatisch der teuerste.

Der beste Wasserfilter ist derjenige, der das Problem löst, das ich tatsächlich lösen möchte, mit möglichst wenig Aufwand und möglichst wenigen zusätzlichen Nachteilen.

 

„Ask the Coach“ ist die Kolumne in der Wolfgang Unsöld Eure Fragen zu Training & Ernährung beantwortet. Das gleichnamige Buch ist im Riva Verlag erschienen und direkt hier erhältlich

Zurück zum Blog
  • Science Sunday Newsletter

    Mehr Wissen. Mehr Wirkung.

    Du willst regelmäßig fundierte Inhalte direkt in dein Postfach?
    Dann ist unser Newsletter genau das Richtige für dich.

    Jetzt kostenfrei abonnieren

  • Was machen wir im YPSI?

    Neu hier? Starte richtig.
    Wenn du uns gerade erst entdeckt hast:

    Hier findest du den besten Einstieg – für Sportler, Trainer und alle, die mehr Wirkung wollen.
    Hier mehr erfahren