LDL-, HDL- & Triglyzeridwerte im richtigen Kontext

LDL-, HDL- & Triglyzeridwerte im richtigen Kontext

Kaum ein Blutwert wird so oft missverstanden wie LDL, häufig wird es reflexartig als „schlechtes Cholesterin“ bezeichnet.

Diese verkürzte Sichtweise hilft im Alltag weder Trainern noch Trainierenden.

In Wahrheit sind LDL, HDL und Triglyzeride Teil eines dynamischen Systems, das Energie, Stoffwechsel, Zellaufbau und Regeneration unterstützt.

Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Zusammenhänge.Klar, verständlich und vollständig rechtskonform, ohne medizinische Diagnostik oder Therapieempfehlungen.

 

Was LDL, HDL und Triglyzeride eigentlich sind

LDL und HDL sind keine Fette selbst, sondern Transportvehikel (Lipoproteine). Sie bewegen Cholesterin und Fettsäuren an die Orte, an denen sie benötigt werden.

Cholesterin dient u. a. als Baustein für
• Zellmembranen
• Steroidhormone
• Gallensäuren
• Stoffwechselprozesse
• Vitamin-D-Synthese

Triglyzeride sind gespeicherte Fettsäuren und eine Form transportierbarer Energie.

Der Körper reguliert diese Transportmechanismen flexibel, abhängig von Ernährung, Aktivität, Regeneration, Stress und Stoffwechsellage.

 

Woher Lipoproteine wirklich kommen und was Werte beeinflusst

Der überwiegende Teil des Cholesterins stammt aus der körpereigenen Produktion in der Leber.

Cholesterin aus Lebensmitteln – einschließlich Eiern – spielt dabei eine deutlich geringere Rolle, da der Körper seine Eigenproduktion flexibel anpasst.

Über die Umwandlung VLDL → IDL → LDL gelangen Lipoproteine in den Blutkreislauf.

Werte werden u. a. beeinflusst durch
• Kalorienbilanz
• Fastenphasen oder längere Mahlzeitenabstände
• Trainingsvolumen und Intensität
• Körperzusammensetzung
• Stress, Schlaf und Regeneration
• Entzündungsprozesse
• hormonelle Anpassungen

Das erklärt, warum Werte zwischen Phasen differieren können – ohne dass dies automatisch ein Problem darstellt.

 

Typische Wertebereiche im Alltag (rein beschreibend, nicht diagnostisch)

LDL

70–160 mg/dl : häufig angegebener Laborbereich
• Sportlich aktive Menschen: oft 90–150 mg/dl 
• In Defizit-, Fasten- oder intensiven Trainingsphasen temporär 140–180 mg/dl 
< 60 mg/dl : häufig in Phasen hoher Belastung oder stark reduzierter Kalorienzufuhr

LDL-Werte über 200 mg/dl können in bestimmten Stoffwechselsituationen beobachtet werden, beispielsweise bei Personen mit sehr niedrigem Körperfettanteil, hohem Trainingsvolumen, in längeren Fastenphasen oder bei stark kohlenhydratreduzierter Ernährung.

In solchen Fällen treten häufig gleichzeitig niedrige Triglyzeride und höhere HDL-Werte auf.

Wie bei allen Lipidwerten entscheidet jedoch das Gesamtbild aus HDL, Triglyzeriden, dem Verhältnis TG/HDL, Entzündungsmarkern und der allgemeinen Stoffwechsellage – nicht ein einzelner isolierter Wert.

 

HDL

• Männer: 40–65 mg/dl 
• Frauen: 50–75 mg/dl 
> 60 mg/dl oft bei hoher Alltagsaktivität oder niedrigem Körperfett
< 40 mg/dl häufiger bei Schlaf-/Bewegungsmangel oder Gewichtszunahme

HDL-Werte über 80 mg/dl werden häufig bei Menschen mit hoher Alltagsaktivität, regelmäßigem Krafttraining oder niedrigem Körperfettanteil beobachtet.

In Kombination mit niedrigen Triglyzeriden und einem niedrigen TG/HDL-Verhältnis werden solche HDL-Werte in der wissenschaftlichen Literatur oft mit günstigen Blutfettmustern in Verbindung gebracht.

Auch hier gilt jedoch: Die Bewertung erfolgt immer im Gesamtkontext aller Lipidparameter, nicht anhand eines einzelnes Wertes.

 

Triglyzeride (nüchtern)

60–150 mg/dl: häufig beobachtet
60–100 mg/dl bei stabiler Ernährung und Bewegung
> 150 mg/dl möglich nach kohlenhydratreichen Tagen, Alkohol oder wenig Schlaf
< 60 mg/dl bei Fasten oder starkem Defizit

Sehr niedrige Triglyzeridwerte – beispielsweise unter 70–80 mg/dl – werden häufig bei Menschen mit stabiler Energiezufuhr, regelmäßiger Bewegung, guter metabolischer Flexibilität und höherer Fettoxidation beobachtet.

In Kombination mit höheren HDL-Werten und einem niedrigen TG/HDL-Verhältnis werden solche Triglyzeridbereiche in der wissenschaftlichen Literatur oft mit günstigen Blutfettmustern in Verbindung gebracht.

Auch hier gilt: Triglyzeride sollten immer im Kontext aller anderen Parameter sowie der aktuellen Ernährungs- und Trainingssituation betrachtet werden.

Diese Werte sind keine Bewertung, sondern realistische Orientierungsgrößen aus Laboralltag und Literatur.

 

Der Kontext entscheidet, nicht der einzelne Wert

Blutfette sind nur aussagekräftig, wenn man sie im Zusammenspiel betrachtet:

• LDL im Kontext von HDL
• Triglyzeride im Zusammenhang mit Energiebilanz und Training sowie HDL
• Körperfett, Ernährung, Schlaf, Stress
• Entzündungsparameter
• Veränderungen im Zeitverlauf

Trainierende haben generell andere Stoffwechseldynamiken als Menschen mit sitzendem Lebensstil.

 

Warum das Verhältnis Triglyzeride : HDL ein wertvoller Orientierungswert ist

In der wissenschaftlichen Literatur wird das Verhältnis von Triglyzeriden zu HDL häufig herangezogen, um Lipidverteilungen besser einzuordnen.

• > 3:1: in Studien oft mit weniger günstigen Stoffwechselmustern assoziiert
• 2–3:1: Bereich, der in der Allgemeinbevölkerung häufig auftritt
• ≈ 1:1 oder darunter: oft mit stabileren Stoffwechselmustern und günstigen Lipidprofilen verbunden

Es handelt sich um eine Orientierungshilfe, keine Diagnose. Trainer können damit Trends einordnen, ohne medizinische Bewertung vorzunehmen.

 

Wer ist Dr. Mark C. Houston und warum spielt er hier eine Rolle?

Dr. Mark C. Houston ist Facharzt für Innere Medizin, Experte für Bluthochdruck und kardiovaskuläre Prävention sowie Direktor des renommierten Hypertension Institute in Nashville (USA). Über viele Jahre war er Associate Clinical Professor of Medicine an der Vanderbilt University Medical School.

International gilt er als einer der profundesten Experten, wenn es um die Verbindung aus Ernährung, Lipidstoffwechsel, Entzündung und Herz-Kreislauf-Risiken geht.

Ich selbst habe Dr. Houston vor über zehn Jahren in einem mehrtägigen Seminar persönlich kennengelernt.

Seine Art, Lipidwerte immer im Kontext des gesamten Stoffwechsels zu interpretieren und nicht isoliert als Zahlen zu sehen, hat meine Sichtweise nachhaltig geprägt.

Besonders die Bedeutung des TG/HDL-Verhältnisses als Marker für Stoffwechselqualität ist ein Themenfeld, das er bereits früh und tiefgreifend beleuchtet hat.

Seine Perspektiven fließen heute in viele moderne präventive und integrative Ansätze ein – und sind besonders für Trainer wertvoll, die Laborwerte besser verstehen wollen, ohne Medizin zu praktizieren.

 

Praktische Hinweise für Trainer zur Interpretation

• Werte immer über den Verlauf betrachten
• 48–72 Stunden vorheriges Verhalten berücksichtigen (Training, Schlaf, Ernährung)
• nüchtern messen
• Gewichts- und Trainingsphasen einordnen
• Trends statt Einzelpunkten betrachten
• Immer klar kommunizieren: Blutfette sind kein Coaching-Diagnosetool – sondern ein möglicher Zusatzdatenpunkt

 

Fazit

LDL, HDL und Triglyzeride spielen zentrale Rollen im Stoffwechsel

Doch ihre Bedeutung wird oft vereinfacht dargestellt. 

Entscheidend ist der Kontext: Training, Ernährung, Schlaf, Stress und Stoffwechselphase verändern Lipidwerte dynamisch.

Besonders das Verhältnis Triglyzeride : HDL kann ein hilfreicher zusätzlicher Orientierungswert sein.

Ein fundiertes Verständnis dieser Zusammenhänge verbessert die Kommunikation zwischen Trainern und Trainierenden – und hilft, Blutwert-Informationen realistisch und souverän einzuordnen.

 

Weiterführende Vertiefung für Trainer

Wenn du als Personal Trainer die Grundlagen von Laborwerten besser verstehen und in deinem Coaching-Alltag sicherer einordnen möchtest, findest du im YPSI Online-Seminar „Laborwerte verstehen für Personal Trainereine praxisorientierte Einführung in die wichtigsten Marker rund um Stoffwechsel, Energiehaushalt und Trainingsplanung. Das Seminar dient der Weiterbildung im Coaching-Kontext und ersetzt keine medizinische Diagnostik oder Behandlung.

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