Gute Übungsausführung ist ein Prozess
Viele glauben, gute Technik im Training entsteht in einem Moment.
Ein Cue.
Eine Korrektur.
Ein Video auf Instagram.
Und plötzlich soll sich eine Übung „richtig“ anfühlen.
Die wichtige Beobachtung aus meiner Arbeit als Trainer in über 19 Jahren ist jedoch:
Gute Übungsausführung entsteht selten sofort.
Und meistens auch nicht nur über permanente Korrekturen.
Sondern über Progression.
Im Grunde ähnlich wie Kraft selbst.
Denn Technik ist keine einmalige Entscheidung.
Technik ist eine Fähigkeit.
Und Fähigkeiten entwickeln sich über Zeit.
Genau das wird im Krafttraining massiv unterschätzt.
Viele Menschen sehen Athleten oder erfahrene Trainierende und glauben:
„Der bewegt sich einfach gut.“
Was dabei oft vergessen wird:
Manche Menschen zahlen bereits sehr früh massiv auf ihr athletisches Sparbuch ein.
Turnen.
Kampfsport.
Leichtathletik.
Ballsportarten.
Klettern.
Andere starten im Erwachsenenalter praktisch bei null.
Und genau deshalb ist gute Technik häufig keine Frage von Talent.
Sondern die Frage:
Von welchem Ausgangspunkt startet jemand und wie sinnvoll wird die Progression aufgebaut?
Das sieht man in der Praxis permanent.
Manche Menschen lernen eine neue Übung mit Kurzhanteln oder einer Langhantel extrem schnell. Andere brauchen deutlich länger, um Bewegungen kontrolliert und stabil umzusetzen.
Beides ist völlig normal.
Denn neuromuskuläre Entwicklung verschwindet nicht einfach.
Menschen, die früh gelernt haben, ihren Körper zu koordinieren, Bewegungen zu kontrollieren und Spannung zu erzeugen, greifen im Training oft auf genau dieses Fundament zurück.
Deshalb versuche ich im Coaching selten, Technik über zehn verschiedene Cues gleichzeitig zu verbessern.
In der Praxis funktioniert es meist deutlich besser, die richtige Variante zu wählen und Menschen dort Schritt für Schritt besser werden zu lassen.
Genau das war auch einer der wichtigsten Gedanken in meinem Buch „Die perfekte Kniebeuge“.
Nicht die Idee, dass es eine perfekte Kniebeuge für alle Menschen gibt.
Sondern die Frage:
Welche Variante ermöglicht diesem Menschen aktuell die beste Entwicklung?
Denn häufig verbessert sich Technik nicht dadurch, dass jemand permanent korrigiert wird.
Sondern dadurch, dass eine Übung gewählt wird, die aktuell kontrolliert, stabil und sinnvoll progressiv trainiert werden kann.
Und genau dort wird gutes Coaching interessant.
Denn trotz aller Individualität haben die meisten Übungen im Krafttraining trotzdem relativ klare Ankerpunkte.
Bei einer Kniebeuge bedeutet gute Technik beispielsweise meistens:
möglichst stabil und kontrolliert tief zu gehen und gleichzeitig eine sinnvolle Oberkörperposition zu halten.
Beim Klimmzug:
oben wirklich komplett hochziehen und unten sauber strecken.
Beim Beincurl:
unten vollständig strecken und oben die Bewegung wirklich abschließen statt Wiederholungen einfach kürzer werden zu lassen.
Zusätzlich ist bei der absoluten Mehrheit der Übungen kontrollierte Bewegung ein sehr wichtiger Faktor.
Kontrolliert bedeutet dabei nicht automatisch langsam.
Sondern dass das vorgegebene Tempo tatsächlich kontrolliert umgesetzt werden kann.
Denn genau dort sieht man häufig relativ schnell, ob jemand eine Bewegung wirklich kontrolliert oder nur irgendwie durch eine Wiederholung kommt.
Was viele überrascht:
Gute Coaches versuchen deshalb selten, Menschen innerhalb einer Einheit perfekt aussehen zu lassen.
Sie versuchen vielmehr, Systeme aufzubauen, über die sich Bewegung langfristig entwickelt.
Denn genau wie Kraft entsteht gute Technik selten in einem einzelnen Moment.
Sondern über Wochen, Monate und Jahre sinnvoller Wiederholungen.